17. Oktober 2018
Barbara Wehlen-Leibrock zu einem aktuellen Thema:

Von den Schafen


Eines nachts hatte der alte Schäfer einen Traum. Er stand auf seiner Weide und ließ den Blick schweifen. Er rieb sich die Augen, denn das, was er sah, wollte er nicht glauben. Auf seiner Weide stand nur ein einziges Schaf.

Wo aber war seine große Schafherde geblieben, seine glücklichen Schafe, die in vielen Familien auf seiner Wiese gestanden hatten?

Er ließ seinen Blick schweifen und entdeckte seine Schafe auf den Nachbarweiden. Dort standen sie mit anderen Schafen und fühlten sich sichtlich wohl. Sie waren freiwillig gegangen und wollten nicht mehr zurück. Daher war zwischen der Weide des alten Schäfers und den Nachbarweiden über Nacht ein Zaun entstanden.


Der alte Schäfer war sehr traurig darüber. Er merkte nicht, dass ein Mann zu ihm trat. „Wo sind meine Schafe? “ fragte er. „Habe ich euch nicht den Auftrag gegeben, in die Welt zu gehen und das, was ich euch gelehrt habe, weiterzugeben?“ „Es tut mir leid“, sagte der alte Schäfer. „Die Zeiten haben sich gewandelt. Heute gibt es viel mehr grüne Wiesen, wo das Gras verspricht, grüner zu sein als auf meiner Wiese“. Der alte Schäfer fragte sich „Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich mich mehr um meine Schafe kümmern müssen?“


Als er seinen Gedanken nachhängte, war das letzte, auf seiner Weide verbliebene Schäflein durch ein Loch im Zaun zur Nachbarweide entflohen.  „Das kann nicht sein“, rief er und eilte auf die Nachbarweide. Er sprach mit den Schafen, er nahm sich ihre Probleme zu Herzen. Und siehe da, zuerst kam eines der Schafe, dann ein zweites und dann noch ein drittes Schaf wieder zurück.


„Würden ihm die anderen folgen“ fragte sich der Schäfer besorgt als er wach wurde.Er wusste, es würde hart werden. Er würde kämpfen müssen um jeden Einzelnen. Doch das war ihm die Sache wert. 





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