25. Dezember 2018
Markus Karsch zu einem aktuellen Thema:

Jesus lächelte


Kürzlich wollte Jesus sehen, wie es seit damals, als er als kleines Kind in der Krippe gelegen hatte, weitergegangen ist. Also kam er wieder zur Welt, aber völlig unerkannt, sozusagen inkognito. Er wollte sich ja nur mal umsehen. Und so sah er sich alles genau an.

 Unter anderem kam er auch in eine Region im Südwesten von Deutschland, in eine kleine saarländische Kreisstadt. Seine Mutter soll auch schon mehrfach in der Gegend erschienen sein, wie es heiß.

Wie es der Zufall wollte, war gerade Adventszeit. Und so besuchte Jesus den Weihnachtsmarkt der Stadt. Der war weithin beliebt, sehr groß und schön, voller Lichter und voller Weihnachtsschmuck. Und voller Menschen, die von Nah und Fern zu dem bekannten Weihnachtsmarkt kamen.

„Wie schön!“ dachte sich Jesus! „Sie denken alle noch an mich! Sie feiern immer noch meine Geburt und sie denken an die kleinen, bescheidenen Anfänge, aus denen sich das alles entwickelt hat.“ Und freudig schlenderte Jesus zusammen mit den vielen Menschen über den Weihnachtsmarkt: Er sah eine Krippe, wie damals. Und sogar mit echtem Esel! Er sah viele bunte und schöne Sachen, die man dort an den hübsch geschmückten Ständen und Häuschen kaufen konnte, und auch die vielen Leckereien. Aber er merkte bald, dass alle die schönen Stände und der ganze schöne Weihnachtsmarkt eigentlich nichts mit ihm zu tun hatte, nichts mit der Botschaft, die er damals mit sich zu den Menschen gebracht hatte: Die Frohe Botschaft von Gott, der Mensch wird, vom Reich Gottes, dass nun mitten in der Welt unter den Menschen war. Für jedermann und jede Frau zu jeder Zeit. Davon sah er nichts, hörte er nichts, spürte er nichts.

Nur einen Stand gab es – er hätte ihn beinahe übersehen – da war es anders. Es war ein ganz kleiner Stand, ganz und gar unscheinbar, so dass ihn die Menschen fast alle übersahen. Dort gab es all die guten Sachen, von denen die Menschen das ganze Jahr träumen, die sie sich immer wünschen – aber doch nie bekommen, nicht einmal zu Weihnachten: Ruhe und Frieden, Freundlichkeit, Güte, Liebe und Hoffnung, viel Hoffnung! Dort am Stand gab es helfende Hände und offene Ohren – für alle Menschen und für alle Gelegenheiten; zum Eigengebrauch oder zum auch Weiterverschenken. Es gab sogar noch viel, viel mehr gute Sachen. Aber eins gab es nicht: Kunden. Keine Menschen standen dort vor dem Stand, obwohl der Glühweinstand nebenan total überfüllt war.

Wie kommt das denn?“ fragte Jesus die Frau hinter der Theke. „Ach, lieber Herr Jesus, meine die ein wenig traurig, „du weiß doch wie es ist. Sie wollen alles fix und fertig, gleich zum Mitnehmen. Aber Hoffnung, Glück und Frieden gibt’s nicht in Konserven, wie im Supermarkt oder als Fast Food, wie bei McDonalds.“

Während Jesus noch überlegte, was denn wohl „Supermarkt“, „Fast Food“ und „McDonalds“ seien, kam doch ein Kunde. Er zeigte oben auf ein Regal und sagte, er wünsche sich eine neue Chance und neue Hoffnung für sein Leben. Und die Frau hinter der Theke holte eine kleine Schachtel dort oben aus dem Regal. Auf dem Etikett an der Schachtel stand genau das, was der Mann gewünscht hatte: „Neue Chance und neue Hoffnung für Dein Leben“ (Und darunter stand kleingedruckt: „Früher auch bekannt unter der Bezeichnung »Vergebung«“).

Der Mann hielt seine Hand auf, die Frau legte ihm etwas in seine Hand und der Mann ging fröhlich seiner Wege – ohne zu Bezahlen, denn die Waren an diesem Stand waren offenbar kostenlos.

Was hast Du ihm gegeben?“ fragte Jesus die Frau. „Ich konnte gar nichts erkennen!“

„Das hier“, sagte die Frau, zeigte ihm ein winzig kleines Korn und sagte „Du weißt doch, lieber Herr Jesus, wir verkaufen hier nur den Samen.“

Und Jesus lächelte.

von Superintendent Markus Karsch neu erzählt nach einem bekannten Motiv zahlreicher Geschichten, das auf eine unbekannte Quelle zurückgeht.





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