25. April 2019

Für ein paar Stunden die Sorgen vergessen


Acht Frauen kommen mit Freude jeden Morgen in den Oderring in der AnkER-Einrichtung des Saarlandes in Lebach. Die Diakonie Saar hat hier im 2. Stock eine Textilwerkstatt eingerichtet. Sie ist Teil der neuen tagesstrukturierenden und auf Integration und Reintegration ausgelegten Maßnahme NAVIS.

Bis mittags wird unter der Anleitung von Eliza Johann genäht und gehäkelt. Alle Teilnehmenden leben seit vier bis fünf Monaten hier in einer schwierigen Übergangssituation. Bei einigen laufen mittlerweile Verfahren zur Klärung des Bleiberechts, einige von Ihnen sind vom sogenannten DUBLIN-Verfahren betroffen. Dabei wird geprüft, ob ihr Asylantrag in Deutschland bearbeitet wird oder in dem einem der anderen  27 EU Staaten. Trotz allem ist die Stimmung unter den Frauen an dem Vormittag fröhlich. Sie sind mit vollem Eifer dabei, schätzen den Austausch und die Gemeinschaft. „Für alle Menschen, egal aus welchem Kulturkreis sie kommen, ist es wichtig, sich in irgendeiner Form gestaltend einbringen zu können, etwas Sinnvolles zu machen“, erklärt Anne Fennel, Geschäftsführerin der Diakonie Saar.

 

Für die freiwillige Teilnahme an dem Projekt hat die Diakonie Saar in den Erstorientierungskursen im AnkER-Zentrum geworben. Nach Prüfung der Interessenten durch das Landesverwaltungsamt wurden die Gruppen gebildet. Insgesamt 16 Personen nehmen teil, acht Frauen in der Textilwerkstatt und acht Männer in der Fahrradwerkstatt. Die Praxis-Anleitenden Christian Kreutz und Eliza Johann sowie  die Sozialpädagogin Louise Kramme kümmern sich um die Frauen und Männer. „Bei allen lebenspraktischen und persönlichen Problemen bin ich erste Ansprechpartnerin und sehe mich als Schnittstelle zur weiteren fachlichen Beratung und Betreuung“, so Kramme. Die Teilnehmenden werden hier wöchentlich bis zu 20 Stunden beschäftigt. Für jede geleistete Arbeitsstunde erhalten sie eine Aufwandsentschädigung im Rahmen der gesetzlichen Regelung von derzeit 80 Cent.

 

Auch in der Fahrradwerkstatt ist die Stimmung gut. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak schrauben an einem kaputten Fahrrad. „Die Menschen, die an der Maßnahme teilnehmen, kommen hier her und freuen sich, dass sie etwas zu tun haben“, erklärt Andreas Jenal, Bereichsleiter Berufliche Integration bei der Diakonie Saar. „Sie können für einige Stunden ihre Sorgen vergessen und sich körperlich betätigen. Das stärkt die individuelle Zufriedenheit.“ Ganz nebenbei lernen die Teilnehmenden aber auch etwas, was ihr Leben, egal wo sie in Zukunft leben, bereichert. Und so ist auch Ziel  der Maßnahme, im Falle eines negativen Asylverfahrensausgangs die Reintegration im Heimatland zu fördern. Die Nachfrage unter den Bewohnern der AnkER-Einrichtung des Saarlandes ist hoch. Es gibt bereits Wartelisten. Die Frauen und Männer, die aktuell im Projekt sind, dürfen aber so lange teilnehmen, bis über ihren Asylantrag entschieden ist und sie die AnkER-Einrichtung in Lebach verlassen.

 

NAVIS wird aus Bundes- und Landesmitteln gefördert. Bis mindestens Ende des Jahres kann die Diakonie Saar die Maßnahmen anbieten. Im Februar 2020 findet dann eine Evaluation aller vom Bund geförderten Maßnahmen in den AnkER-Einrichtung Lebach statt und es wird entschieden, wie es weitergeht.

 

Sollten die Gelder für Integration gekürzt werden, so wie es der Bundesfinanzminister bereits für die Zukunft angedeutet hat, wäre das für die Menschen, für Länder und Kommunen eine enorme Belastung, so Fennel. Dann könnten auch Maßnahmen wie NAVIS nicht mehr finanziert werden. “Die wirkliche Integration beginnt gerade erst. Und es ist dringend notwendig, auch die Reintegration der Menschen im Blick zu haben.“, betont sie. Denn Integrationsmaßnahmen, ob Textilwerkstatt, Fahrradwerkstatt, Sprachkurse in Deutsch oder einer europäischen Fremdsprache förderten das Verständnis im Zusammenleben mit anderen Kulturen und damit die Integration, ob in Deutschland, in den Herkunftsländern oder dem europäischen Ausland.

 

Fahrräder gesucht! Die Fahrradwerkstatt freut sich über auch alte oder kaputte Fahrräder.  Abzugeben direkt beim Projekt NAVIS der Diakonie Saar in der AnkER-Einrichtung des Saarlandes in Lebach, Pommernstraße 6. Kontakt: Telefon 0172-4583470 oder Mail navis@dwsaar.de

 

 

 





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