29. Mai 2021
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Er/Sie hat sich stets bemüht


Wenn das in Ihrem Arbeitszeugnis steht, haben Sie ein Problem. Auch wenn es doch eigentlich freundlich klingt. Aber seit es verboten ist, in Arbeitszeugnissen negative Bewertungen abzugeben, heißt es eben nicht: Er oder sie hat nichts erreicht, sondern hat sich ‚stets bemüht‘.

Eigentlich ist es doch positiv, wenn ich über einen Mitmenschen sage, dass er sich bemüht. Aber dann muss ich feststellen: Sprache hat erstaunliche Möglichkeiten, sich zu verändern und an neue Gegebenheiten anzupassen. Das kann positiv sein, ist aber mitunter auch negativ, wenn Werbung oder Propaganda versuchen uns neue Wirklichkeiten als alternativlos zu verkaufen. Und es hat mich schon lange geärgert, dass Arbeitszeugnisse immer seltsamer werden, weil sie nur noch Schönes schreiben und der Kundige weiß, was wirklich schön ist.

In der Werbung ist es ähnlich. Wenn beschrieben wird, was eine Maschine alles kann, muss ich genau hinschauen, um zu erkennen, was sie womöglich nicht kann.

Sprache, Ausdrücke und Worte Verhältnisse können sich verändern. Aus der positiven Bemerkung, jemand habe sich stets bemüht, wird langsam ein umgangssprachliches ironisches ‚aber nie etwas erreicht‘.

Manchmal ärgert mich das, auch weil schöne Begriffe dadurch entwertet werden. Manchmal beruhigt mich das aber auch: Solange Sprache sich verändert, lebt sie. Erst wenn da nichts mehr passiert, ist sie tot.

Das wird mir in der Diskussion um geschlechtergerechte Sprache bewusst. Ich nehme es ernst, wenn Frauen sagen, ich fühle mich nicht gemeint, wenn von Erziehern die Rede ist. Ich bin Erzieherin. Recht hat sie, auch wenn Sprache dadurch nur komplizierter werden kann. Aber ich verstehe auch diejenigen, die sagen: Dieses Gendern nimmt der Sprache ihren Schwung, ihre Schönheit. Längere Texte mit Sternchen, großen Binnen-Is oder anderen Lösungen sind manchmal wirklich nicht schön. Und manchmal ist es auch schwierig, die richtigen Lösungen zu finden.

Ich glaube wirklich: es ist immer gut, sich um Gerechtigkeit zu bemühen, eben auch um Sprachgerechtigkeit. Daran zu arbeiten ist viele Bemühungen wert. Aber es braucht auch Zeit, dass Sprache sich entwickelt. Menschen werden miteinander Lösungen finden, dass sich Frauen Männer und Andere gemeint fühlen und Texte trotzdem schön und lesbar und hörbar bleiben.

Bis dahin finde ich es schön, wenn viele Menschen sich bemühen, sich gegenseitig ernst zu nehmen und Sprachentwicklungen mitzumachen. Und lachen darf man dabei auch.

 

Losung für Samstag, den 29.5.2021:

Wie wir's gehört haben, so sehen wir's an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich. Psalm 48,9

Durch den Herrn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist. Epheser 2,22

 

Im Gesangbuch steht ein Gebet (eg 865):

Schöpfer des Lichts, Sonne meines Lebens,

ich danke dir für diesen neuen Tag.

Hilf mir, deinen Willen zu erkennen und zu tun.

Gib mir Kraft für die Aufgaben, die mir gestellt sind …

Gib mir Mut für die Schritte, die ich tun muss …

Gib mir Liebe zu den Menschen, die mir begegnen …

Lass mich erfahren, dass du mir nahe bist in allem, was heute geschieht.

Wir danken dir, dass auch wir zu dir gehören.

Hilf uns, mit Menschen aller Rassen und Völker Erben deines Reiches zu werden.

 





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