13. Januar 2020
Klaus Künhaupt zu einem aktuellen Thema:

Eines der stärksten Worte der Bibel


Gebetet hatte der Vater wirklich viel. Und auch sonst alles gemacht: Ärzte gefragte, einheimische, römische, durchziehende Quacksalber, Heiler mit „heiligen Händen“. Nichts hatte geholfen. Es wurde immer schlimmer. Diese Anfälle waren schrecklich.

Der Junge fiel um, zuckte am ganzen Körper, wurde hin- und hergerissen. Dann war er oft ins Wasser gefallen und wäre beinahe ertrunken.

Heute wissen wir: Es handelt sich um eine Krankheit, die wir Epilepsie nennen. Damals erklärten sich die Menschen das Ganze mit einem bösen Geist. Aber wie auch immer: Der Vater ertrug es einfach nicht mehr, hilflos zuzusehen. Das war kein Leben mehr, für ihn und den Jungen nicht.

Dann kommt Jesus ich die Stadt. Man weiß: Er hat schon vielen Menschen geholfen. Sollte er auch dem Jungen und seinem Vater helfen können? Er geht hin. „Wenn du helfen kannst, hilf doch“. Und Jesus antwortet: „Wenn? Alles ist möglich, dem der glaubt“. Und es zerreißt den Vater bald: Ich glaube! Hilf meinem Unglauben.““

Mein Schrei. Ihr Schrei? Der Schrei von Menschen seit Anbeginn der Zeit. Selber krank, ein Freund krank, die Eltern krank. Es gibt wohl nichts Schlimmeres, als wenn die Kinder krank sind. Sie blicken voll vertrauen zu uns auf und denken: Das ist der starke, der kluge, der unbesiegbare Papa. Und in Wirklichkeit sind wir völlig machtlos. Und wo ist Gott? Aufgeben können wir ihn nicht, dann bleibt nur Leere. Aber auf ihn zu hoffen wagen wir auch nicht mehr. Warum hat er denn nicht längst geholfen, wenn er kann?

Es wird ja immer wieder behauptet, ein Glaube, groß wie ein Berg, sei nötig, damit Gott, damit Jesus helfen kann. Falsch. Diese Geschichte beweist das Gegenteil. Ein Mann, der nur noch rufen kann: „Mein Glaube reicht nicht. Du musst mir diesen Glauben schenken!“ wird erhört. Das Wunder geschieht.

Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. Freude in der Traurigkeit. Kraft in der Ohnmacht. Die Niederlage wird zum Sieg. Die Krankheit wird zur Stärke. Das erleben wir jeden Tag. Davon höre ich, das habe ich auch schon selbst erlebt. Diese Wunder sind Alltag. Sie sind Geschenk.

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ ist die Jahreslosung 2020. Ein kurzes Bibelwort, dass uns im neuen Jahr begleiten soll. Dieses Jahr ist es eines der stärksten Worte der Bibel. Es handelt direkt von Dir und mir, von unserem (Mit)leiden und unserer verzweifelten Suche nach Halt.

Ich wünsche Ihnen, dass in allem, was das Jahr bringen mag, sie immer noch die Kraft haben, diesen Satz zu sagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“.  Und das Wunder erleben.


Klaus Künhaupt Kirchengemeinde Merzig
Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreisverbandes An der Saar und Synodalbeauftragter für den Deutschen Evangelischen Kirchentag im Kirchenkreis Saar-West
Pfarrer Klaus Künhaupt
Am Gaswerk 7
66633 Merzig
Telefon: 06861/ 6295




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