04. April 2025

Wie die Alpakas Alejandro und Pablo Freude ins Hospiz bringen


Im Fliedner Hospiz in Neunkirchen wird gelacht, erzählt, gesungen – und manchmal kommen sogar besondere Gäste auf vier Beinen vorbei: Alejandro und Pablo, zwei ruhige Alpakas traben regelmäßig durch die Flure.

Ein Hospiz – für viele bedeutet dieses Wort Abschied, Stille und Sterben. Doch wer einmal hier war, spürt schnell, dass es vor allem ein sehr lebendiger Ort ist. Im Fliedner Hospiz in Neunkirchen wird gelacht, erzählt, gesungen – und manchmal kommen sogar besondere Gäste auf vier Beinen vorbei: Alejandro und Pablo, zwei ruhige Alpakas mit sanften Augen und neugierigen Blicken, streifen, ab und an leise schnaubend, durch die Flure. Ihre Besitzerin, Pfarrerin Wiltrud Bauer, kommt regelmäßig mit ihren beiden „alten Herren“, wie sie sie liebevoll nennt, um die Bewohnerinnen und Bewohner zu besuchen. Alejandro und Pablo sind 15 Jahre alt. So lange leben die beiden Tiere schon bei Wiltrud Bauer in Schiffweiler auf der Weide, gemeinsam mit sieben weiteren Kamelen aus den Hochanden. Die Pfarrerin ist in tiergestützter Therapie ausgebildet und kennt ihre Gefährten sehr gut. Alpakas wie Alejandro und Pablo wurden einst von den Indios wegen ihrer Wolle geschätzt – doch es ist ihr sanftes Wesen, das sie zu außergewöhnlichen Begleitern macht. Ruhig und neugierig zugleich begegnen sie den Menschen, nehmen sich Zeit, drängen sich nicht auf.

„Im Hospiz machen wir unseren Bewohnerinnen und Bewohnern regelmäßig Angebote. Jeder entscheidet, was er annehmen möchte. Die tiergestützte Therapie wird gerne angenommen, denn Lebewesen wie Hunde, Katzen, Alpakas oder Ponys gehen wertfrei auf die Menschen zu. Es ist ihnen egal, ob ein Mensch krank ist oder gesund, was er in seinem Leben getan hat oder wie er aussieht“, erklärt Hospizleiter Thomas Steffen. Für den Besuch der Alpakas eignet sich seine Einrichtung sehr gut: Das Fliedner Hospiz ist ebenerdig, jedes Zimmer hat einen Zugang zum großzügigen Außenbereich mit einer saftigen Wiese. Wiltrud Bauer sieht gerne dabei zu, wie Menschen sich in der Gegenwart ihrer Tiere entspannen: „Wenn wir durchs Hospiz gehen, bieten wir den Bewohnerinnen und Bewohnern an, mit den Tieren zu interagieren, sie zu streicheln oder ihnen einfach beim Grasen zuzuschauen. Alejandro und Pablo strahlen Ruhe aus und schaffen kleine Inseln des Trostes und der Leichtigkeit. Sie helfen dabei, Angst und Schwermut für einen Moment loszulassen.“ So erinnert sie sich zum Beispiel an einen Tag im Fliedner Hospiz, an dem eine neue Bewohnerin ankam. Sie war sehr aufgewühlt, hatte mit großen Ängsten zu kämpfen und das Ankommen fiel ihr schwer. Die Pfarrerin setzte sich mit ihren beiden Begleitern zu der Frau und ihrem Sohn: „Wir sprachen eine Weile, sahen Alejandro und Pablo beim Grasen zu. Man konnte förmlich spüren, wie die Anspannung von der Dame abfiel, Stück für Stück. Die Nähe zu den Tieren hatte etwas Meditatives für sie. Sie konnte sich beruhigen und sich auf ihr neues Zuhause einlassen.“

Das Team bemerkt regelmäßig, wie stimulierend tierischer Besuch im Hospiz ist. „Menschen die sich nicht mehr viel bewegen, stehen auf, um den Tieren noch näher sein zu können oder eine Runde mit ihnen zu drehen. Sie werden aktiver, ihre Stimmung hellt deutlich auf und sie erzählen noch tagelang von ihren intensiven Begegnungen“, fasst Thomas Steffen die Besuche zusammen. Das erlebt auch Wiltrud Bauer immer wieder. Als Rheumatikerin kämpft sie zeitweise mit steifen Händen und hat ähnliche Beschwerden auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern im Hospiz bemerkt. Also hat sie Holzgreiflinge in Alpaka-Form anfertigen lassen, die sie verschenkt. Eine Bewohnerin, so erinnert die Pfarrerin sich, hat Alejandro und Pablo so sehr ins Herz geschlossen, dass sie den Greifling immer bei sich hatte: „Auch, als sie sich aus dieser Welt verabschiedet hat, hatte sie die Holzfigur in der Hand. Sie nahm sie sogar mit in ihre letzte Ruhestätte.“

Tiergestützte Therapie wird durch Spenden finanziert, denn die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Fünf Prozent der Hospizkosten müssen durch Spenden aufgebracht werden, das ist gesetzlich so geregelt. Was ebenso wichtig ist, sind Menschen, die ihre Zeit spenden: „Ehrenamtlich Mitarbeitende sind ein wertvoller Bestandteil der Hospizarbeit. Sie nehmen sich außerhalb der pflegerischen Tätigkeiten, die unsere Kolleginnen und Kollegen verrichten, ausgiebig Zeit für die Bedürfnisse unserer Bewohner und gehen individuell darauf ein. Es wird gebastelt, gebacken, geredet, geschwiegen, Beistand und Angehörigenarbeit geleistet, Besorgungen erledigt“, fasst Thomas Steffen zusammen. Wer sich hier einbringen möchte, kann sich direkt im Fliedner Hospiz melden, Telefon: 06821/901-901.





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