12. Januar 2020

Seit 50 Jahren leitet Gudrun Herzog den Furpacher Flötenkreis in der Kirchengemeinde Neunkirchen


Gottesdienste sind nicht vorstellbar ohne Musik. Wir singen Kirchenlieder zur Ehre Gottes und bringen mit ihnen Wünsche, Ängste, Hoffnungen und den Dank ebenso vor Gott wie durch das gesprochene Gebet. Ein großer Schatz an traditionellem und modernem Liedgut begleitet durch das Kirchenjahr.

Viele sind an der musikalischen Gestaltung beteiligt: Organisten, Chöre, Instrumentalgruppen. Neben den haupt- und nebenamtlichen Organisten erbringen Musiker und Sänger, Chorleiter und Gruppenleiter ein erhebliches ehrenamtliches Engagement.  So leitet Gudrun Herzog seit bereits 50 Jahren die Flötengruppe im heutigen Bezirk Furpach-Kohlhof der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen.

Von Kind an in der Gemeinde verwurzelt

„Ich war schon als Kind fest in meine Gemeinde, die damals noch selbstständige Kirchengemeinde Scheib-Furpach, eingebunden“, erzählt die heute 76Jährige. „Regelmäßig ging ich zum Kindergottesdienst und war später als Jugendliche und junge Frau selbst als Kindergottesdienst-Helferin aktiv.“ Ihre musikalische Begabung zeigte sich schon früh: Die kleine Gudrun lernte privat Geige und spielte in der Flötengruppe ihrer Kirchengemeinde.  „Als die neu erbaute Friedenskirche auf der Scheib 1959 in Dienst genommen wurde, war ja zunächst noch gar keine Orgel da“, erinnert sich Herzog. „Wir Flötenkinder haben dann die musikalische Gestaltung der Gottesdienste übernommen“.  Auch während des Studiums auf Lehramt an Grund- und Hauptschulen und in den ersten Berufsjahren nahm sie aktiv am Gemeindeleben teil. 1969 schließlich übernahm sie die Leitung der Flötenkinder – und hat diese bis zum heutigen Tage ohne Unterbrechung inne.

Gesellschaftliche Veränderungen wirken sich aus

„In den letzten Jahren ist es viel schwieriger geworden“, sagt Herzog nachdenklich. „Mit Einführung der gebundenen Ganztagesschulen und den allgemein gestiegenen Anforderungen in der Schule ist es für die Kinder und Jugendlichen fast unmöglich, nachmittags noch einer außerschulischen Aktivität nachzugehen.“  In Furpach habe man zumindest das große Glück, dass Grundschule und Hort sich genau gegenüber des Martin-Luther-Hauses befänden, wo geprobt wird.  So könnten die Kinder  direkt aus dem Hort zur Probe kommen.  „Aber für organisatorische Aufgaben und das ganze Drumherum außerhalb der reinen Probezeit hat kaum noch jemand Zeit.“ So bleibt fast alles an Gudrun Herzog selbst hängen. „Mein großer Esstisch zuhause liegt eigentlich ständig voller Noten und Papiere, Plakate und Programme“, sagt sie und lacht.

Der Flötengruppe gehören zurzeit etwa 30 Mädchen und Frauen an. „Wir hatten auch schon Jungs dabei, doch im Moment sind wir ein rein weiblicher Kreis“,  sagt Herzog.  Freitag ist der große Probentag. Um 14 Uhr geht es mit den jüngsten, den Zweitklässlern, los. Dann geht es im Stundenrhythmus nach Alter gestaffelt weiter, bis abends dann die Erwachsenen kommen. Erst um 22 Uhr ist Schluss.  Acht Stunden Unterricht nonstop  –  das ist ein wahrer Kraftakt für die Leiterin.  Das Repertoire reicht von traditionellem geistlichem Liedgut bis hin zu modernen Kompositionen. Gerne greift Herzog auch Anregungen und Ideen aus der Gruppe auf. „Aber ich persönlich mag die  alten Stücke am liebsten, wie etwa zur Weihnachtszeit ‚Es ist ein Ros entsprungen‘ oder ‚Ich stehe an deiner Krippen hier‘, erzählt sie.

 Lernen fürs Leben

 Musik machen in einer Gruppe – das ist eben viel mehr als nur Musik machen. Die Kinder lernen Sozialverhalten, Verantwortung, Zuverlässigkeit und Eigeninitiative. „Letztens wollten meine Zweitklässler auch bei einer Schulveranstaltung spielen. Sie haben ganz selbständig mit ihrer Lehrerin gesprochen und ohne meine Hilfe ihren Auftritt organisiert und absolviert, was schon eine sehr beachtliche Leistung ist“, freut sich Herzog.  Bei manchen ihre Schützlinge wurde im Flötenkreis der Samen zu anspruchsvollen Entwicklungen gelegt: Ein Mädchen spielt inzwischen im preisgekrönten Kreisjugendorchester Neunkirchen , eine junge Frau studiert Musik-Management und  Britta Eisenbeis trat in die Fußstapfen ihrer Lehrerin und gründete vor nunmehr auch schon 20 Jahren ihre eigene Gitarrengruppe am Martin-Luther-Haus.

 

Viele schöne Momente

„Wenn ich es mir recht überlege, so ist in der gesamten Zeit erstaunlich wenig schief gegangen. Richtige Pannen hatten wir eigentlich nie“, resümiert Herzog. Einmal habe der Organist eine andere Tonart angeschlagen, und einmal sei die Gruppe vom zu früh hereinkommenden Nikolaus so aus dem Konzept heraus gebracht worden, dass ein Weiterspielen nicht mehr möglich gewesen sei, erinnert sie sich. Doch es gab viele wunderbare Momente. „Es ist immer wunderschön, wenn bei unserer jährlichen Frühlingsmusik  im Martin-Luther-Haus die Kinder ihren Eltern und Großeltern ihr Können und ihre Lernfortschritte präsentieren und wir danach noch alle zu Kaffee und Kuchen zusammen kommen.“ Sehr bewegend und immer ein Höhepunkt im Jahr sei auch die Christmette in der Heiligen Nacht, die im Martin-Luther-Haus traditionell von den Furpacher Musikgruppen gestaltet werde.  „Darauf freuen wir uns jedes Jahr ganz besonders“, so Herzog.

Natürlich sei das alles anstrengend: die langen Freitagsproben, die Sonderproben vor Auftritten, die Auftritte selbst, das gibt Herzog zu. „Aber es macht mir immer noch riesigen Spaß, und solange ich es kann, mache ich auf jeden Fall weiter.“  Wer diese beeindruckende Frau je bei einem Auftritt mit ihrer Flötengruppe erlebt hat, hat daran nicht den allergeringsten Zweifel.





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