06. November 2021
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Mitten im Leben…


…sind wir vom Tod umfangen. So haben wir gelernt – und wollen es doch nicht immer wahrhaben. Jeder gibt zwar sofort zu, dass sein Leben nicht nur einen Anfang, sondern auch ein Ende hat. Aber praktisch leben tun wir oft ganz anders. Wir schieben Aufgaben, aber auch Vergnügen vor uns her, als hätten wir noch ewig Zeit, alles abzuarbeiten oder abzufeiern.

Selbst während Corona erleben wir das. Es betrifft ja immer nur die Anderen. Wir selbst sind meistens nur die, die Andere schützen.

Zuzugeben, dass ich selbst Schutz brauche, fällt mir meistens schwer.

Vielleicht brauche ich ein ganzes Leben, um zu verstehen, dass es auch um mich geht, um mein Leben meinen Schutz. Nicht im egoistischen Sinn, dass ich alles bekomme, was ich brauche, sondern ganz grundlegend. Mein Leben ist nicht in meiner Hand. Ich darf es leben mit allen Schwierigkeiten und mit allem Schönen. Egal ob behindert oder nicht, ob lang oder kurz, ob männlich, weiblich oder divers. Es ist mein Leben, dass ich füllen darf mit Genuss und mit Schmerz. Ich kann mit meinem Verhalten es verkürzen oder verlängern, das aber nur in sehr begrenztem Maß. Ich darf es vor Allem als Geschenk annehmen. Gott hat mir mein Leben geschenkt und ihm Grenzen gesetzt. Beides muss ich akzeptieren. Ich bin nicht Herr meines Lebens und es wird zu Ende gehen. Aber bis dahin darf ich leben. Und genießen, was ich habe an schönen Begegnungen, lieben Mitmenschen. Und all das hinnehmen, was nicht so schön ist.

Mein Leben ist eben nicht einfach mein Leben. Es ist Geschenk und Aufgabe. Und das Leben meiner Mitmenschen ist auch Geschenk und Aufgabe. Für alles zusammen will ich Dankbar sein, gerade im trüben November.

 

Losung für Samstag, den 6.11.2021:

Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, HERR, deine Gnade. Psalm 94,18

Jesus sprach zu Petrus: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Lukas 22,32

 

Im Gesangbuch steht ein Gebet (eg 980):

Heute, mein Gott, will ich dir danken,

für die bisherige Lebenszeit

mit allem, was sie mir gebracht hat.

Ich danke dir für die kleinen Freuden des Alltags,

für jeden Baum, für jeden Strauch,

für den Gesang der Vögel in den Zweigen,

für die Menschen, die mir begegnen,

und die zu mir gehören

Es ist noch so viel, was mein Leben reich macht.

Erhalte mir, Herr,

ein waches Bewusstsein für den Reichtum meiner Tage.

Ich will nicht klagen über das, was mich beschwert;

freuen will ich mich,

dass ich deiner Treue gewiss sein darf und deiner Vergebung.

Hilf mir, Herr, dass ich den Menschen meiner Umgebung

mit offenen Augen begegne.

Ich weiß nicht,

wie viel Zeit du mir noch zumessen wirst.

Darum will ich dir danken, Gott,

für jeden Tag und jede Stunde, die du mich leben lässt.





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