01. Juni 2019
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Meinung und Vielfalt


Da hat die Vorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, festgestellt, dass die Meinungsvielfalt in Gefahr ist. Das haben dann Andere als Aufruf zu Zensur und Unterdrückung von Meinungsvielfalt verstanden oder missverstanden.

Recht muss man ihr wohl darin geben: Durch das Internet hat sich der Stil des Diskurses verändert.Das müssen Menschen erst einmal erkennen und auch die neuen Mechanismen durchschauen. Dass ein völlig unbekannter Blogger mit einem fast einstündigen Video derart die Menschen bewegt war vor dem Internet unvorstellbar. Da hätte er sich erst ‚seine Sporen verdienen‘ müssen. Bis er einmal bei einer großen Zeitung, einem großen Magazin einen Leitartikel hätte schreiben können, der viele Menschen erreicht.

Das alte System hatte seinen Charme, das neu ist überraschender, impulsiver, aber auch manipulativer, brauchbar, aber auch missbrauchbar. Es macht es VerführerInnen leichter, Gehör zu finden, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Damit müssen die Menschen lernen, umzugehen. Welche Gesetze dabei helfen können, das muss diskutiert werden. Aber miteinander und im Sinne der Demokratie.

Was ich schlimm finde ist die Verrohung der Umgangsformen, des Tones. Wer manche Internetforen liest, gewinnt Gewissheit: Wir leben in einem nachchristlichen Zeitalter. Respekt und Liebe gibt es nicht mehr. Andersdenkende werden angepöbelt, beleidigt.

Mein Traum ist ein Internet, in dem Menschen einander die Meinung sagen, einander unterstützen, einander wertschätzen. In dem man zum Beispiel Menschen ernst nimmt, die nicht mehr lernen wollen, weil in dreißig Jahren die Nordsee am Niederrhein und im Münsterland ihren Strand findet (Ob dann die AFD vor Wirtschaftsflüchtlingen aus dem Norden warnt – wer weiß das schon?). In solchem Internet werden auch die ernst genommen, die Angst haben, dass vor lauter Klima, die Wirtschaft den Bach runter geht und ganz Europa dann arm aber sexy ist.

Dann können Lösungen gefunden werden, wenn alle mehr auf den Apostel hören, der schreibt: All eure Dinge lasst in der Liebe geschehen. Als hätte er das Internet gekannt.

 

Losung für Samstag, den 1.6.2019:

Groß sind die Werke des HERRN; wer sie erforscht, der hat Freude daran. Psalm 111,2

Der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Epheser 1,17

 

Im evangelischen Gesangbuch steht ein Gebet (880):

Herr Jesus Christus!

Du hast uns gelehrt, unsere Feinde zu lieben und für unsere Verfolger zu beten.

In dieser Welt aber will die Sprache des Hasses und der Drohung nicht verstummen.

Hilf uns, wirksam für den Frieden und für Gerechtigkeit unter den Völkern einzutreten.

Bewahre alle, die Waffen tragen, und alle, die über Waffen befehlen, vor den Versuchungen der Macht.

Gib, dass sie Frieden halten und dem Frieden dienen.

Lass das Zeugnis derer Gehör finden, die sich aus Gründen des Gewissens weigern, eine Waffe zu tragen:

Gib, dass durch ihr Beispiel der Wille zur friedlichen Verständigung in der ganzen Welt wächst.

Lenke unsere Herzen und Sinne, dass wir uns auch in Streitfragen als deine Brüder und Schwestern erkennen.





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