28. April 2019
Michael Hilka, Pfr. zu einem aktuellen Thema:

Manchmal scheint Gott mir richtig verborgen.....


Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir (2 Sam 7,22). Dieser Lobpreis Gottes kommt aus dem Mund König Davids. Der hat gerade die Bundeslade mit den Steintafeln mit den 10 Geboten und von der man glaubte, dort sei Gott persönlich anwesend, hinauf nach Jerusalem geholt.

Er stellte sie in einem Zelt auf. Dort sollte sie bleiben, bis er einen richtigen Tempel für sie gebaut hätte. Gott aber hatte andere Pläne: Den Tempel sollte zwar erst Davids Sohn Salomo bauen, doch er bekam sein Königtum bestätigt und ihm versprochen, dass es ewig bestehen werde.

 

Dieses Versprechen Gottes ging David ganz nah. Es berührte ihn und er fragte sich, womit er diese Zuwendung Gottes eigentlich verdient habe. Und er konnte nicht anders, als Gott zu loben und zu preisen für seine Güte: „Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“

 

Wie kann man Gott so loben wie David, fragen sich jetzt vielleicht einige. Denn so eine überschwängliche Freude ruft auch Widerspruch hervor: „Schau dir die Welt an, wie sie ist! Eigentlich müsste dir dein Gotteslob im Hals stecken bleiben! Es passiert viel Schreckliches, das Gott doch verhindern müsste!“ Und in der Tat gibt es Dinge, die nicht zu verstehen sind und für die es keine befriedigende Erklärung gibt. Warum töten Menschen Unschuldige wie die Tage in Sri Lanka? Warum müssen Kinder sterben müssen, passieren Unglücke und leiden Lebewesen? Und ich frage erst gar nicht danach, wozu das alles geschieht, denn ich kann und möchte dem keinen Sinn abgewinnen. Manchmal scheint Gott mir richtig verborgen, ein Rätsel, nicht zu begreifen zu sein. Dann kann ich ihm nicht zujubeln, sondern nur alles klagen.

 

Und dann gibt es wieder Zeiten, da ist das ganz anders. Da ist meine Freude über Gott riesengroß! Ich darf und durfte in meinem Leben nämlich auch immer wieder erfahren, dass Gott mir, wie David, freundlich zugewandt und kein Rätsel ist. Wenn ich zurückschaue, sehe ich, wie er sich mir als der liebende Vater gezeigt hat – und zwar in allen Lebenslagen. Wenn es mir gut ging, war das offensichtlich. Und wenn es schwer wurde? Dann hat Gott mir die Kraft gegeben, diese Zeiten mit ihren Fragen und Zweifeln durchzustehen. Und ich hoffe, dass das auch weiterhin so sein wird. Mir ist dabei bewusst, dass Gott nicht alle Wünsche erfüllt. Er ist kein Automat, wo ich oben ein Gebet reinwerfe und unten kommt das heraus, was ich will. Aber ich bin davon überzeugt, dass er treu ist und nicht von meiner Seite weicht. Gott bleibt da – wenn es mir gut geht, aber auch in Gefahren, in Krisenzeiten und sogar im Tod.

 

Es gab in meinem Leben schon Momente, wo mein Verhältnis zu Gott getrübt war. Und es gab Momente, wo ich wie David in Jubel über Gott ausgebrochen bin. Ich wünsche uns allen, dass wir es in dem, was uns passiert, vor allem mit Gottes Nähe und Zuwendung zu tun bekommen und dass wir noch oft Gott loben können: „Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.“ Und sollte es anders kommen, dann hoffe ich, dass wir merken, nicht gottverlassen zu sein.

 

 

 


Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen
Michael Hilka, Pfr.
Vorsitzender des Presbyteriums
66538 Neunkirchen
Telefon: 06821-8530




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