01. Mai 2021
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Hass im Netz


Manchmal habe ich den Eindruck, das Internet und die sozialen Netzwerke gehören zu den selbstgemachten Plagen der Menschheit. Dann lese ich von menschenverachtenden Fotos, die geteilt und weitergeleitet werden, kinderpornografisch, gewaltverherrlichend, verächtlich machend. Da spüre ich, es gibt unendlich viele Menschen und Gruppen, die sich nur Informationen ansehen, die sie bestätigen, die ihnen weismachen, ihre Sicht der Dinge sei die einzig Richtige. Es gibt immer mehr Menschen, die nichts an sich ranlassen, als das, was sie bestätigt.

Ähnliches galt früher auch für Stammtische und manche Vereine. Und auch dort gab es Sprüche, wie dass man die Politiker alle einsperren oder hinrichten solle. Aber welche Lawinen an Verächtlichmachung, Wut und Hass, Respektlosigkeit sich da breit machen, ist kaum noch zu ertragen.

Da ist Internet und soziale Netzwerke wie ein schneller Brüter, der jeden Gedanken sofort zuspitzt und vervielfacht. Gerade das Internet verführt zu schnellen Antworten, wo es besser wäre, erst einmal in Ruhe zu bedenken, aber die Taktung der neuen Medien hält nichts von Ruhe und Achtsamkeit.

Manchmal genieße ich ja auch den Segen des Internets. Informationen, die leicht zu beschaffen sind, verschiedene Meinungen, die es mir anbietet.

Und dann wird mir bewusst: Jawohl, das Internet ist eine Herausforderung für Menschen, die damit umgehen. Aber das Problem sitzt vor dem Bildschirm. Menschen, die nicht umgehen können mit Vielfalt, die einfache Lösungen suchen und darum Vieles gar nicht wissen wollen. Menschen, denen demokratische Umgangsformen zuwider sind, und die darum am liebsten alles aus dem Weg räumen wollen, was sie stört.

All der Hass, all die Staatsverachtung und Menschenverachtung, die dort auftauchen, dahinter stehen nur Menschen, die mit vielen Informationen und Deutungen nicht umgehen können, denen das alles nur zu schwierig ist. Ehe sie einen Knoten aufdröseln wollen, zerschlagen sie lieber.

Das war zu allen Zeiten tödlich. Da muss Demokratie aufpassen. Da müssen wir aufpassen.

 

Losung für Samstag, den 1.5.2021:

Der HERR wird den Armen nicht für immer vergessen; die Hoffnung der Elenden wird nicht verloren sein ewiglich. Psalm 9,19

Der Hausherr sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Lukas 14,21

 

In Gesangbuch steht ein Gebet (eg 931):

Herr Jesus Christus, der du von einer hebräischen Mutter geboren wurdest,

aber voll Freude warst über den Glauben einer syrischen Frau

und eines römischen Soldaten,

der du die Griechen, die dich suchten,

freundlich aufgenommen hast

und es zuließest, dass ein Afrikaner dein Kreuz trug:

Wir danken dir, dass auch wir zu dir gehören.

Hilf uns, mit Menschen aller Rassen und Völker Erben deines Reiches zu werden.

 





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