12. November 2019

Begeisterung ist das Schlüsselwort des Erfolges


Seit 20 Jahren leitet Nino Deda den „Gospeltrain“ in Neunkirchen- Wellesweiler. Er hat dem Chor ein unverwechselbares Profil gegeben. Das Jubiläumskonzert findet am Samstag, 16. November, um 19 Uhr in der Paul- Gerhardt-Kirche in Neunkirchen-Wellesweiler statt.

Die Mitglieder des „Gospeltrains“ treffen sich wie jeden Montagabend zur Chorprobe. Doch diese Probe ist nicht wie die anderen. „Es kommt jemand von der Zeitung, um über uns zu berichten“, hatte Nino Deda seine Sängerinnen und Sänger im Vorfeld informiert. Und so will man heute nicht wie üblich im Gemeindesaal proben, sondern in der Paul-Gerhardt-Kirche, damit man für das Foto eine schönere Kulisse hat. Auch haben sich die Chorsänger und –sängerinnen in Schale geworfen und extra ihr Auftritts-Outfit angelegt: lila Schal über dunkler Kleidung. Doch der Chorleiter kommt und kommt nicht. Das hat seinen guten Grund. Deda hat an diesem Abend noch eine andere Verpflichtung. Gemeinsam mit anderen Musikern gestaltet er die musikalische Umrahmung der Amtsübergabe des bisherigen an den neuen Neunkircher Oberbürgermeister. Dort hängt er nun fest, weil die Veranstaltung viel länger dauert als geplant.

 

Vielseitiger Vollblutmusiker

Deda stammt aus Albanien, wo er in Tirana ein Musikstudium mit dem Schwerpunkt Komposition absolviert hat, bevor er im Jahre 1992 nach Deutschland kam. Er spielt Klavier, Orgel und Akkordeon und liebt das Arrangieren und Komponieren. Zwar musste er zunächst, zumindest beruflich, in der neuen Heimat seine große Liebe, die Musik, zurückstellen. Den Lebensunterhalt verdiente er erst einmal in anderen Bereichen. Doch nach und nach gelang es Deda auch beruflich seine Existenz auf der Musik aufzubauen. Er bildete sich intensiv weiter und konnte im Jahre 2001 die zweijährige kirchenmusikalische C-Ausbildung für den Dienst als Chorleiter und Organist abschließen. Heute ist Deda eine feste Größe in der regionalen Musik-Szene, er ist unterwegs mit einem Solo-Klavierprogramm und konzertiert in verschiedenen Gruppierungen. Er ist Kantor im Gemeindebezirk Wellesweiler der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen, spielt die Orgel in den Gottesdiensten, leitet die Paul-Gerhardt-Kantorei, den Jugendchor „Chormoran“, den Kinderchor „Die Paulinis“ und die Kinder-Flötengruppe. Er ist Leiter des Flöten-Ensembles „Flautiamo“ der Gemeinde und seit 1999 Chorleiter des „Gospeltrain“.

 

Beeindruckende Entwicklung

„Damals suchte der Chor, der sich einige Jahre zuvor gegründet hatte, einen neuen Chorleiter und ich wurde angesprochen, ob ich das nicht machen wolle“, erinnert sich Deda. „Obwohl ich keinerlei Erfahrung hatte mit Gospels, habe ich spontan zugesagt. Ich habe mich auf diese Art von Musik eingelassen, die mich damals sofort in ihren Bann schlug und bis heute mit ihren Rhythmen begeistert.“ Außerdem hätten ihm die damals etwa 25 Chormitglieder den Anfang ausgesprochen leicht gemacht. „Von Anfang an stimmte die Chemie zwischen dem Chor und mir. Es hat einfach gepasst und schon bei der ersten Probe habe ich gedacht: Das hier kann was werden“, erzählt er. Und es wurde in der Tat was. Heute ist der Chor auf rund 60 Sängerinnen und Sänger zwischen 20 und 80 Jahren angewachsen. Den Großteil stellen die Frauen, aber auch sieben Männer sind dabei.

Begeisterung – das ist das Schlüsselwort des Erfolges.  Deda ist begeistert, er ist beseelt von dieser Art der geistlichen Musik und er versteht es, mit dieser Begeisterung andere anzustecken. „Ich hatte schon viele Chorleiter, aber Nino ist der Beste. Seine herzliche Art und wie er uns immer wieder motiviert und mitreißt, das ist toll“, sagt Marliese Raber, die seit 15 Jahren dabei ist. Ihre Sangeskollegin Inge Arnolds  schätzt das hohe Engagement des Chorleiters und die gute Stimmung im Chor, das unverbrüchliche Miteinander. Dass Singen auch Therapie sein kann findet  Marion Emrich, als Gründungsmitglied seit 23 Jahren beim Gospeltrain: „Ich persönlich machte damals eine schwere persönliche Krise durch und das Singen hat mir geholfen, diese zu überwinden. Und Nino hat eine ganz besondere, herzliche  Art. Er lebt in und mit der Musik.“

 

Doch nicht nur die Chormitglieder wissen ganz genau, was sie an ihrem Chorleiter haben. Ihre Komplimente und ihre Anerkennung kann Deda seinen Sängern und Sängerinnen nur zurückgeben. „Alle sind mit großem Ernst, Freude und Einsatz bei der Sache“, sagt er und lobt die absolute Zuverlässigkeit der Chormitglieder, die neben vorbildlicher Probendisziplin auch ein großes Engagement auch bei der Übernahme organisatorischer Aufgaben an den Tag legten. „Wir verstehen uns super und so gibt es auch nach 20 Jahren keinerlei Ermüdungserscheinungen bei uns“, freut er sich.

 

Ein Gospelchor mit einem unverwechselbaren Profil

Das Repertoire hat Nino Deda in den vergangenen zwei Jahrzehnten kontinuierlich erweitert und dem Chor damit einen ganz eigenen Charakter gegeben. Das Programm umfasst heute alle Spielarten des Genres. Natürlich gehören dazu die weltbekannten Spirituals und Traditionals, also die  überlieferte schwarze Musik aus den amerikanischen Südstaaten wie etwa „Go down, Moses“ oder   „Swing low, sweet charriot“. Aber auch neuere Gospels, wie etwa „I will follow him“ aus dem Musical „Sister Act“ beherrscht der Chor. „Gospel leitet sich übrigens her aus dem englischen „Good spell“, was so viel heißt wie Evangelium oder frohe Botschaft“, erklärt Deda, der mit seinem Gospeltrain auch Stücke zeitgenössischer Gospel-Komponisten einstudiert. Sehr bedeutend seien hier skandinavische Komponisten wie Tore W. Aas und oder Hans Christian Jochimsen. Auch Deda hat für seinen Chor bereits selbst einige Stücke geschrieben wie die Gospel-Kantate „Let my people go“ oder die große Gospel-Messe „Glory to God“.

 

Ohne Zweifel: Deda hat dem Chor ein unverwechselbares Profil gegeben. Auch beschränkt sich der Aktionsradius des „Gospeltrain“ längst nicht mehr auf die heimatlichen saarländischen Gefilde. Viele Chorfahrten hat man bereits unternommen, die zum Teil eindrückliche Erlebnisse vermittelten. „Auf unserer Chorfahrt nach  Berlin und Brandenburg, wo wir die Neunkircher Partnerstadt Lübben besuchten, haben wir spontan in der Berliner Gedächtniskirche singen dürfen. Wir haben einfach gefragt und dann aus dem Stegreif „Kumbaya, my Lord“ gesungen. Das war ein unvergessliches Erlebnis“, erinnert sich Deda. „Auf unserer Italienreise durften wir eine katholische Messe in einer Mailänder Kirche mitgestalten“, erzählt er. Der Priester sei dermaßen angetan gewesen, dass er den Chor danach noch zu einem Umtrunk und zum gemeinsamen Feiern eingeladen habe.

 

Zur Probe an besagtem Montagabend hat es Deda schließlich tatsächlich nicht mehr geschafft. Die langen Reden der Politiker war schuld. Doch in der kommenden Woche wird wieder fleißig weitergeprobt, und zwar für das große Konzert zum 20jährigen Jubiläum des Chorleiters.   von Andrea Reinmann 

 

Das Jubiläumskonzert  “Good news – The Gospeltrain is Coming“ findet am Samstag, 16. November, um  19 Uhr in der Paul-Gerhardt-Kirche in  Neunkirchen-Wellesweiler (Ernst-Blum-Straße) statt. Unterstützt wird der Chor von Amby Schillo an den Percussions und Uwe Rosar am Bass. Eintritt 12 Euro (ermäßigt 8 Euro). Kartenvorverkauf in Neunkirchen: Bücher König, Bahnhofstr. 43, und im Gemeindeamt, Heizengasse 6, Telefon 06821 (23380).

 

www.gospeltrain-wellesweiler.de





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