01. September 2018
Michael Schäfer zu einem aktuellen Thema:

Volkes Wille.


Europa will die Uhr nicht umstellen heißt das Ergebnis einer Umfrage im Internet. Darum wird es auch so kommen. Ich bin ehrlich. Ich habe auch abgestimmt für die Abschaffung der Umstellung: aber auf die Winterzeit.

Es ist nicht so, dass ich unzufrieden wäre mit dem Ergebnis, auch wenn es nun Sommerzeit heißt.  Wir haben ein Meinungsbild: 4,6 Millionen Europäer haben sich beteiligt, mehr als drei Prozent in Deutschland und 1,6 Million im Rest der EU.  Insgesamt sind das 0,0X Prozent. Ist das dann wirklich  eine echte Befragung? Oder eher eine Farce.

Mich lässt das nicht so ganz kalt. Gerade angesichts immer dünnerer Wahlbeteiligungen. Alles über 50 Prozent scheint ja heute super.

Hängt das vielleicht damit zusammen, dass den meisten alles egal ist, solange das persönliche Wohlbefinden stimmt. Man hat manchmal den Eindruck: Die Menschen sind schlecht. Jeder denkt an sich – nur ich denke an mich.

Das könnte Sichtweisen verändern, wenn wir anfangen an Andere zu denken, dann würden wir zugeben, dass die EU-Abstimmung mehrheitlich eine deutsche Abstimmung war, das Problem mit der Zeitumstellung vielleicht ja nur ein deutsches Problem. Die Anderen kriegen es hin.

Vielleicht könnte auch unser Blick nach Chemnitz ein Anderer werden, wenn wir (gerade im äußersten Westen an der Saar) zugeben, dass wir das mit der Wiedervereinigung immer noch nicht verstanden haben, dass wir es immer noch in Ordnung finden, dass Menschen  sich abgehängt fühlen und dieser Mord nur ein Vorwand war, das Ventil mal wieder zu öffnen. Vielleicht würden wir dann auch verstehen, dass das nicht alles Nazis sind. Ob das was ändern würde. Ich weiß es nicht. Aber versuchen könnten wir es ja mal.

Die Losung für heute ist eben kein Text, den ich den Menschen immer wieder um die Ohren schlagen muss, um ihn durchzusetzen, sondern für den ich werben, den ich erklären muss, den auch ich lernen muss in meinem Alltag zu leben.

 

Losung für Samstag, den 1.9.2018:

Einen Fremden sollst du nicht quälen. Denn ihr wisst, wie dem Fremden zumute ist, seid ihr doch selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. 2.Mose 23,9

Josef stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten. Matthäus 2,14

 

Im evangelischen Gesangbuch steht ein Gebet von Dietrich Bonhoeffer (866):

Gott, zu dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten
und meine Gedanken sammeln zu dir.
Ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht.
Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist der Friede.
In mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld.
Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

Dietrich Bonhoeffer 1943

 





Zurück