11. Januar 2018

Rheinisches Kunstprojekt zum Reformationsjahr macht Station in der Saarbrücker Johanneskirche


„Moiré“ – das sind drei übermenschenhohe, mit drei verschieden groß gerasterten Löchern versehene Holztafeln, die verschiedene Ein-, Aus- und Durchblicke ermöglichen. Das Werk der in Saarbrücken geborenen und in Berlin lebenden Künstlerin ist bis 18. März in der Saarbrücker Johanneskirche zu sehen.

Zugleich führt das Licht, das auf Shila Khatamis Skulptur fällt, das Werk als Bodenmalerei  fort. Beim Umschreiten der Skulptur zeigt sich der sogenannte Moiré-Effekt – ein physikalisches Phänomen, das bei der Überlagerung feiner, unregelmäßiger Raster auftritt und ein Flirren erzeugt. Mit jedem Schritt ergeben sich neue Perspektiven und Durchsichten. Die Skulptur nimmt Bezug auf das Selbstverständnis der evangelischen Kirche, die Menschen ermutigen möchte, eigene Standpunkte zu entwickeln.

Kathamis Skulptur gehört zum  Kunstprojekt „reFORMation – transFORMation“ der Evangelischen Kirche im Rheinland zum 500. Reformationsjubiläum. Die Ausstellung wird nach Stationen unter anderem in Düsseldorf, Köln  und Essen, am Freitag, 12. Januar mit einer Vernissage in der Johanneskirche eröffnet  und ist anschließend bis 18. März in Saarbrücken zu sehen.

Schwarzer Block – oder doch eine Fotografie? Jedenfalls ein Werk, in das man sich einsehen muss, das zur Meditation einlädt. Ein Selbstporträt des Künstlers. „Die Versuchung“ heißt die Arbeit von Konstantinos Angelos Gavrias.

Der hölzerne Rahmen einer ausgedienten Orgel – neu mit Leben gefüllt, umgewandelt zu einer Harfe, die eine Schattenzeichnung an die Wand wirft: „Licht- und Schatten-Harfe“ heißt die Arbeit von Zipora Rafaelov.

Elf Künstlerinnen und Künstler hat die rheinische Landeskirche  eingeladen, ihre Vision einer Kirche von morgen mit Skulpturen, Rauminstallationen, Fotografien und Malereien darzustellen. „Was Martin Luther mit seiner Rückbesinnung auf die Bibel anstieß, hat zu einem Wandlungsprozess, zu einer Transformation biblischer Impulse in die Moderne geführt“, sagt Kirchenrat Volker König, Leitender Dezernent im Landeskirchenamt der rheinischen Kirche und zuständig für das Kunstprojekt. „Wie entwickelt sich die Kirche 500 Jahre nach der Reformation weiter? Was macht 2017 Reformation aus? Diese Fragen haben wir Künstlerinnen und Künstlern gestellt, weil sie Fachleute dafür sind, Visionen zu entwickeln, ihnen Gestalt zu geben und den Blick für Veränderungen zu schärfen.“ Alle Werke seien deutungsoffen und vermittelten Perspektiven.

An die Meinungsfreudigkeit der Besucherinnen und Besucher der Ausstellung appelliert Holger Hagedorn, Kurator der Ausstellung und Mitglied des Arbeitskreises Kirche und Kunst der Evangelischen Kirche im Rheinland: „Die neuen vielfältigen Impulse, Standpunkte und Perspektiven der elf Künstlerinnen und Künstler weisen polyvalente Bezüge zu protestantischen Ideen und Inhalten, zu Reform und Transformation auf: Paradigmen sind Freiheit, Partizipation, persönliche Perspektive und Dialog. Nunmehr sind Kirche und Besucher gefordert, mittels Auseinandersetzung, Meinungsbildung und deren Kommunikation neue Herangehensweisen zu entwickeln.“

Die Künstlerinnen und Künstler zeichne eine kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum, insbesondere mit der protestantischen Kirche und ihrem derzeitigen Zustand, Perspektive sowie ihrer Rolle in der Gesellschaft aus. „Die Begriffe Protest und Reform haben für jetztzeitige bildende Künstler nicht mehr die Relevanz wie in den stark politisierten 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als es deutliche Transformationen  der Gesellschaft gab. Die Inhalte und Themen der Kunst werden zumeist nicht mehr so augenscheinlich plakativ dargestellt.“

Hagedorn verweist zugleich auf die vielfältigen Wurzeln der mitwirkenden Künstlerinnen und Künstler. „Mit israelischen, iranischen, estnischen, bulgarischen und griechischen Abstammungen können auch orthodoxe und muslimisch vorgeprägte Sichtweisen neben katholischen und selbstverständlich evangelischen Wurzeln konstatiert werden. Trotz der unterschiedlichen Paradigmen ist jedoch allen die Autonomie der zeitgenössischen Kunst gemeinsam. Es kommt hier also keineswegs zu einem Clash of cultures, der von Samuel Huntington prognostiziert wurde und durchaus in der aktuellen weltpolitischen Situation aufzuweisen ist.“

Citykirchenpfarrer Herwig Hoffmann freut sich, dass diese hochkarätige Ausstellung in der Johanneskirche zu sehen sein wird. Er erwartet sich von ihr eine kreative Auseinandersetzung mit den Themen der Reformation und wesentliche Impulse für ihre Transformation in die heutige Zeit, für die Menschen von heute.

Ein weiterer Beitrag stammt von Christian Jendreiko, ein in Düsseldorf lebender Künstler, dessen Werke unter anderem im Pariser Centre Pompidou ausgestellt sind. Er hat die Sprech-Performance „Im Anfang war das Wort“ entwickelt. Realisiert wird diese spezielle Form der sozialen Plastik bei der Vernissage mit dem Chor Johannisfeuer der Kirchengemeinde St. Johann, Leitung: Christoph Hauschild.

 Weitere Infos unter dem Pageflow: http://story.ekir.de/kunst#734

Die Ausstellung ist bis 18. März Dienstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Begleitprogramm:

Freitag, 12. Januar, 19 Uhr: Vernissage
Einführung: Holger Hagedorn, Kurator

  • Performance von Christian Jandreiko. Mit dem Chor Johannisfeuer, Leitung: Christoph Hauschild. Der Chor singt außerdem Lieder aus dem LutherOratorium „Gaff nicht in den Himmel“ von Dieter Storck und Matthias Nagel
  • Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 4. Februar
11 Uhr: Gottesdienst zur Ausstellung
mit Pfarrer Herwig Hoffmann
Gast: Holger Hagedorn, Kurator
Anschließend: Führung durch die Ausstellung
15 Uhr: Führung 
mit Holger Hagedorn

Freitag, 16. Februar, 19 Uhr:
Vortrag von Cornelia Coenen-Marx

„Aufbrüche in Umbrüchen. Christsein und Kirche in der Transformation“

Sonntag, 18. Februar, 11 Uhr: 
Gottesdienst zur Ausstellung mit Cornelia Coenen-Marx

Sonntag, 18. März, 18 Uhr:
Finissage

Konzert: mit dem Duo “2 Flügel“. Lieblingslieder und Geschichten

 





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