14. September 2017

Für einen chancengerechten und integrativen Arbeitsmarkt


Das Bistum Trier und die Evangelische Kirche im Rheinland appellieren an alle zukünftig Verantwortlichen der neuen Bundesregierung, der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit höchste Priorität beizumessen.

Allen Langzeitarbeitslosen und ihren Familien müssen bessere Chancen auf Teilhabe ermöglicht werden“,  heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Aktion Arbeit im Bistum Trier,  des Caritasverbandes für die Diözese Trier, der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe.  

 

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Obwohl beide Regierungsparteien angekündigt haben für langzeitarbeitslose Menschen mehr tun zu wollen, sieht der Entwurf des Bundeshaushalts 2018 gravierende Kürzungen für Langzeitarbeitslose und Jobcenter vor.

Die jeden Monat neu verkündeten Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die positive Entwicklung an einem Großteil der Arbeitslosen vorbeigeht: den Langzeitarbeitslosen. Zu ihnen zählt, wer bereits seit mindestens einem Jahr ohne Job ist. Seit dem Jahr 2009 stagniert ihre Zahl mehr oder weniger bei offiziell rund einer Million Menschen. Mehr als jeder zweite Betroffene ist bereits seit mehr als zwei Jahren arbeitslos, fast jeder vierte sogar schon länger als vier Jahre.

„Die Politik hat diese Menschen über Jahre hinweg vernachlässigt. Das zeigt sich auch darin, dass das Eingliederungsbudget der Jobcenter bereits zwischen 2010 und 2013 drastisch gekürzt wurde“, so Dr. Hans Günther Ullrich, Bischöflicher Beauftragter für die Aktion Arbeit im Bistum Trier. „Auch im Haushaltsentwurf des Bundes sind unbegreiflicherweise für 2018 weitere Kürzungen bei den Jobcentern in dreistelliger Millionenhöhe vorgesehen.“

Die zahlreichen und immer befristeten Bundesprogramme seit Inkrafttreten des SGB II vor 12 Jahren haben die Situation der Langzeitarbeitslosen nicht verbessert. Das Ziel dieser Programme, die Menschen auf diesem Wege in den Arbeitsmarkt zu integrieren, ist bislang nicht erreicht worden.

„Für viele Langzeitarbeitslose bietet der erste Arbeitsmarkt keine realistische Perspektive“, so Dr. Kordula Schlösser-Kost von der Evangelischen Kirche im Rheinland. „Aus unserer Sicht benötigen wir eine bedarfsorientierte Unterstützung von Menschen in Langzeitarbeitslosigkeit, die die Person mit ihren individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten in den Mittelpunkt stellt.“

Wie auch die meisten Experten fordern die Kirchen einen dauerhaft öffentlich geförderten Arbeitsmarkt mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen. Es ist allemal besser Arbeit und Beschäftigung statt Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Hierfür liegen bereits verschiedene Vorschläge vor. So hat die Aktion Arbeit im Frühjahr ihr Konzept „Integrierter Arbeitsmarkt“ vorgestellt. Auch seitens der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe wurde gemeinsam mit dem DGB Nordrhein-Westfalen vor der Landtagswahl ein Konzeptpapier zum Ausbau eines öffentlich geförderten Arbeitsmarktes vorgelegt.

Alle Beteiligten der ökumenischen Arbeitsgruppe, einem Zusammenschluss aus Vertreterinnen und Vertretern der Aktion Arbeit im Bistum Trier, der Evangelischen Kirche im Rheinland, dem Caritasverband  für die Diözese Trier und dem Diakonischen Werk Rheinland Westfalen Lippe verweisen an dieser Stelle nochmals auf den 2015 veröffentlichten gemeinsamen Aufruf „Umdenken-Umsteuern-Umfinanzieren“, mit dem der politische Handlungsbedarf eingefordert wird.





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