16. Juni 2017
Martin Vahrenhorst zu einem aktuellen Thema:

„Woran glaubst Du?“


Eine Woche lang fragte die ARD Themenwoche nach dem, was Menschen glauben. Sogar eine Plakataktion gab es dazu. „Ich glaube, Gott kann Leben retten“, sagt die Ärztin in OP Kleidung. „Ich glaube, ich habe Glück gehabt“, sagt der Mann im Rollstuhl.

Das sind nur zwei der Plakate, die ich in dieser Woche an Bushaltestellen in Saarbrücken gesehen habe. Sätze, in denen sich Lebenserfahrungen spiegeln.

Wenn ich ein solch ein Plakat zu gestalten hätte, wäre dort meine Großmutter zu sehen. Drei Jahre hat ihre Flucht aus Ostpreußen gedauert. Tage voller Schwerstarbeit mit leerem Magen und Nächte voller Angst. Ihre beiden Töchter immer bei sich. Endlich im Wesen angekommen hat sie fast ein Jahrzehnt auf ihren Mann gewartet. Der kam nicht. Statt dessen kam ein Brief vom Roten Kreuz...

In ihrem Schlafzimmer hing ein Holztäfelchen, auf dem stand: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn. Er wird’s wohl machen“ (Ps 37,5). „Wenn jemand mit so einer Lebensgeschichte sich das an die Wand hängt, dann muss da was dran sein“, habe ich als Jugendlicher gedacht. So wurde meine Oma für mich zum Vorbild in Glaubensdingen. Von ihr habe ich gelernt, dass man über den Glauben reden kann. Und das haben wir auf langen Spaziergängen oft getan. Einmal erzählte ich ihr bei einer solchen Gelegenheit recht begeistert von der Evolutionstheorie. Die behandelten wir gerade im Biologie-Leistungskurs. Sie fand, dass das dem Glauben überhaupt nicht widerspreche. Seit dem ist mir klar, dass Glaube vor Wissen keine Angst haben muss. Ich habe aber auch gelernt: Glaube braucht keine großen Worte. Er kann ganz selbstverständlich und unspektakulär sein. Und vor allem habe ich gelernt: Glaube trägt. 

 

www.themenwoche.ard.de

www.ekir.de/www/service/ich-glaube-28409.php





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